
An jenem 4. Juli gleicht die Stadt Wien erschreckend dem Wien aus dem Buch.
Ich bin sehr früh hier angekommen, und selbst um den Stephansdom sind nur wenige Menschen zu sehen. Das Café Sacher wirkt wie ausgestorben, Tische und Stühle leer und verlassen.
“Seit ich Die Arbeit der Nacht geschrieben habe”, sagt Thomas Glavinic, den ich in einem Café im 4. Bezirk treffe, “bin ich mir nicht sicher, ob ich nicht auch mal an einem 4. Juli erwache und der einzige Mensch auf der Welt bin.”
Die Weg mit Thomas Glavinic durch seinen Roman beginnt zwischen der Rechten und Linken Wienzeile. Glavinic liest die ersten Zeilen aus Die Arbeit der Nacht.
Dann machen wir uns auf den Weg Richtung Stephansdom.
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Verfolgen Sie akustisch unseren Weg durch das menschenleere Wien des Romans.
Viel Spaß!
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In Wien scheint beständig ein Wind zu wehen. Auch an diesem Sommertag, wohl einem der heißesten.
Wir gehen weiter Richtung Naschmarkt, der nur einige hundert Meter entfernt ist.
Ich frage Thomas Glavinic, ob es einfacher sei, einen Roman an einem Ort spielen zu lassen, den man kennt. Und wie genau muss das Wien im Roman dem realen Wien entsprechen?
Wie groß ist die Herausforderung, einen 400 Seiten starken Roman mit nur einer Figur zu schreiben? Wobei – es gibt neben der Hauptfigur Jonas mindestens eine weitere Figur im Roman: den Schläfer.
Einige der Rezensenten – der Roman wurde ja zwischenzeitlich überaus positiv besprochen – erklären die Figur des Schläfers ganz genau. Ich finde es schade, wenn Kritiken allzu viel von der Handlung verraten. Es gibt Buch- oder Film-Besprechungen, die mehr Inhaltsangabe als Bewertung sind. Ich lese nie den Klappentext eines Buches, das ich lesen will.
Im Podcast verraten wir nicht viel über den Schläfer. Wer wirklich neugierig geworden ist, der sollte sich auf das Buch freuen.
Wann ist der Mensch allein? Diese philosophische Frage – und ihre Antwort von Thomas Glavinic – steht am Schluss der zweiten Folge.
Und wir sind am Naschmarkt angekommen.
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Die heutige Folge ist eine reine Lese-Folge. Es ist die Passage, die unmittelbar an die Lesung in Teil 1 anschließt.
Die Hauptfigur Jonas verlässt das Haus. Es dauert durchaus einige Zeit, bis er merkt, dass etwas nicht stimmt, dass er an diesem Morgen keine Menschen mehr sieht. Was ist los? Ein Streik? Ein Feiertag? Ein Unglück?
Gelesen ist diese Folge auf dem Naschmarkt. Oder heißt es am Naschmarkt? Um diese Frage wird es allerdings erst in der fünften Podcast-Folge gehen.
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Unglaublich. Es ist kurz nach zwölf. Mittags. Da läuft jemand über den Naschmarkt und spricht Passanten an. Er will etwas verkaufen. Unter dem Arm einen Stapel DVD-Hüllen mit bedrucktem Cover. Unschwer zu erkennen: es ist Der Da Vinci-Code. Ein Film, der – an diesem 4. Juli – erst vor sechs Wochen in den Kinos angelaufen ist. Und ich dachte, Raubkopien bekäme man nur in Fernost oder im Internet.
Auch wir reden über Filme. Kann man Die Arbeit der Nacht verfilmen? Thomas Glavinic hält es für vollkommen unmöglich – obwohl …
28 Tage später fällt mir ein. Auch eine leergeräumte europäische Hauptstadt.
Nachträglich fällt einem so vieles ein: dass auch in Die Arbeit der Nacht Kameras eine große Rolle spielen und stumme Beobachter eines seltsamen und zum Teil beängstigenden Treibens werden.
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(nicht weit bewegt seit der letzten Folge)

Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. Aber gibt es noch eine Moral, wenn man plötzlich allein auf der Welt ist? Sehr philosophisch.
Beginnt man zu fressen, wenn niemand mehr zuschaut? Andererseits: man könnte ein 3-Sterne-Restaurant betreten, aber man könnte nie wieder ein 3-Sterne-Menü essen. Außer natürlich man wäre selbst ein 3-Sterne-Koch.
Während wir beim (weltbesten?) Inder sitzen, reden wir auch über die Essgewohnheiten von Jonas, der Hauptfigur aus Die Arbeit der Nacht.
Und wir erörtern die wirklich wichtige Frage, ob wir am Naschmarkt oder auf dem Naschmarkt sitzen. Weiß es jemand besser? Über Antworten per eMail freuen wir uns an naschmarkt@die-arbeit-der-nacht.de.
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Als ich das Bild für diese Podcast-Folge bearbeite, steht plötzlich »Krieg und Leichen« riesengroß in ausgefranster Schrift auf meinem Bildschirm. Ich verharre und schaue ungläubig auf den Monitor. Woher kommt diese Schrift?
Ich bin auf die Vergrößerungsfunktion des Bildbearbeitungsprogramms geraten, und es war irgendein Antifa-Aufkleber auf dem Verkehrsschild, der da plötzlich zig-fach vergrößert wurde. Wer genau hinschaut, kann die Wörter oben erkennen.
In dieser Podcast-Folge haben wir den Naschmarkt endlich verlassen und laufen an der Wiener Staatsoper vorbei in den 1. Bezirk. Wir saßen davor übrigens wirklich am Naschmarkt, wie uns eine Hörerin und Leserin bestätigt hat.
Krieg und Leichen gibt es in Die Arbeit der Nacht nicht. Und dennoch ist die Welt menschenleer. Und dennoch bewaffnet sich die Hauptfigur Jonas.
Während wir in die touristengeflutete Kärntner Straße einbiegen, reden wir über den Gebrauch von Schusswaffen.
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Für eine Podcast-Folge springen wir durch Zeit und Raum. Aus aktuellem Anlass habe ich mich mit Thomas Glavinic zur Buchmesse 2006 in Frankfurt getroffen.
Seit dem 4. Juli 2006, dem Tag, an dem wir für diesen Podcast in Wien waren, hat sich einiges getan. Im Trubel der Messe unterhalte ich mich darüber mit Thomas Glavinic.
Leser und Kritiker sind überaus begeistert von Die Arbeit der Nacht. Das Schönste, was einem Autor passieren kann. Damals im Juli konnte das jeder hoffen aber niemand voraussehen.
Weil also Anlass zu Freude besteht – und weil wir natürlich unheimlich neugierig sind – verlost der Hanser Verlag 10 Exemplare des Romans Die Arbeit der Nacht, vom Autor Thomas Glavinic handsigniert.
Sie müssen uns dazu lediglich die Frage beantworten, die jede und jeden bewegt, der Glavinic’ Buch liest oder gelesen hat:
Wie die Romanfigur Jonas wachen Sie eines Morgens auf und müssen feststellen, dass über Nacht alle Menschen und Tiere verschwunden sind. Was würden Sie in dieser Situation tun?
Der Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2006, und die besten Antworten werden wir natürlich in diesem Weblog veröffentlichen. Alles weitere dazu hier.
Mit der nächsten Podcast-Folge in einer Woche beenden wir dann den Zeitsprung und kehren zurück nach Wien und in die Skybar.
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Zurück in Wien. Der gläserne Aufzug an der Vorderfront des Kaufhauses Steffl hebt uns förmlich aus der touristendurchfluteten Kärntner Straße heraus. Lärm und Hektik bleiben unten zurück.
Siebter Stock. Es ist ruhig auf der Terrasse der SKY Bar. Mitten im belebten Wien kommt man der Romansituation unvermittelt näher. Der Blick schweift über die Dächer der Stadt und des ersten Bezirks. Fast greifbar nah: der Stephansdom. Er wird die nächste Station unserer akustischen Wanderung sein.
Auch die Romanfigur Jonas war des Öfteren hier oben. Thomas Glavinic liest die Stelle aus dem Roman, in der sich Jonas erinnert.
Was würden Sie tun, wenn Sie plötzlich allein auf der Welt wären?
Unter allen, die uns diese Frage beantworten, verlost der Hanser Verlag 10 vom Autor handsignierte Exemplare des Romans. Einfach hier klicken und Ihre Antwort eintippen.
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